Reglementierter Beauftragter speditionelle Tätigkeit

Zu den speditionellen Tätigkeiten eines reglementierten Beauftragten gehört unter anderem der Transport von Fracht- und Postsendungen vom Absender bis hin zum Empfänger. Dabei spielt es keine Rolle ob die Fracht- bzw. Postsendungen über Land, See oder Luft transportiert wird. Dies kann entweder national oder international geschehen.

Zudem ist der reglementierte Beauftragte dafür zuständig, bei der Annahme der Fracht- und Postsendungen, die Einhaltung der sicheren Lieferkette, vom Absender bis hin zum Eintreffen der Sendung beim reglementierten Beauftragten, zu gewährleisten. Hierbei überprüft der reglementierten Beauftragte bspw. den Fahrer des Transportfahrzeuges, ob dieser im Besitz einer gültigen Zuverlässigkeitsüberprüfung ist, ob der Fahre alle nötigen Schulungen absolviert hat, ob das Fahrzeug sowie der Laderaum ordnungsgemäß verschlossen ist usw.. Diese Überprüfung wird dokumentarisch festgehalten.

  1. Vom Absender zum Empfänger

Der reglementierte Beauftragte muss die Einhaltung der sicheren Lieferkette immer gewährleisten. Dazu muss der reglementierte Beauftragte bei einem Auftrage überprüfen, von wem die Sendung stammt, welche zum reglementierten Beauftragten transportiert wird. Sollte die Sendung von einem anderen reglementierten Beauftragten oder einem bekannten Versender kommen, so kann der reglementierte Beauftragte die Sendung als „sicher“ einstufen. Den aktuellen Status, von wem die Sendung stammt, kann auf der Unionsdatenbank kontrolliert werden https://webgate.ec.europa.eu/ksda/login.htm überprüfen.

Sofern der Absender nicht in der Unionsdatenbank hinterlegt wird, so gilt es, die ankommende Sendung als „unsicher“ zu deklarieren.

  1. Unsichere Sendungen müssen kontrolliert werden.

Der reglementierte Beauftragte muss nun, für die unsichere Sendung, weitere Kontrollmaßnahmen einleiten. Hierfür werden gewisse technische Voraussetzungen (funktionstüchtiges Röntgengerät, Sprengstoff-Spurendetektoren usw.) sowie Luftsicherheitskontrollkräfte benötigt, welche im Zusammenspiel mit der Technik, die Sendungen kontrolliert. Zu den geeigneten Kontrollmaßnahmen gehören unter anderem:

  • Durchsuchung per Hand
  • Röntgengeräte
  • Sprengstoffdetektoren
  • Sprengstoff-Spürhunde
  • Sprengstoff-Spurendetektoren
  • Sichtprüfung
  • Metalldetektoren

Anmerkung: Nur der reglementierte Beauftragte darf Sendungskontrollen durchführen. Diese Kontrollen dienen zum Erhalt der sicheren Lieferkette.

Sofern in der Sendung keine gefährliche Ware (z.B. Sprengstoff) gefunden wird, kann die Sendung als  „sicher“ eingestuft werden. Sollten es jedoch zu einem gefährlichen Fund kommen, so leiten Sie bitte umgehend Sicherheitsmaßnahmen ein. Dies wurde in Ihrem Luftsicherheits-Programm ausgearbeitet. Melden Sie den Fund auf jeden Fall den dafür zuständigen Behörden.

Anmerkung: Paket- und Expressdienstleister (wie z.B. FedEx oder DHL) behandeln jede Fracht sowie Luftpostsendung als unsicher, auch wenn diese von einem bekannten Versender stammt. Die Paket- und Expressunternehmen führen selbstständig Kontrollen an den Sendungen durch und beladen diese auf ihre eigenen Fahrzeuge.

  1. Was geschieht mit Sendungen, welche beschädigt sind?

Sollte eine Sendung vom reglementierten Beauftragten angenommen werden, welche Beschädigungen aufweisen, (bspw. Riss im Paket, Eindellungen, Loch in der Palette usw.), so muss diese Sendung als Sendung mit „hohem Risiko“ (HRCM = High Risk Cargo and Mail = Fracht und Post mit hohem Risiko) eingestuft werden. Diese Sendung muss dementsprechend gekennzeichnet werden.

Für solche Post- und Frachtsendungen muss ein sogenanntes Doppelverfahren eingeleitet werden. Dies bedeutet dass, anstatt einer Kontrollmaßnahme, 2 Kontrollmaßnahmen zwingend durchgeführt werden müssen. Dabei muss eine dieser Kontrollmaßnahmen ein Sprengstofftest sein. Dies kann entweder durch einen Sprengstoffspürhund erfolgen oder aber (bevorzugt) durch einen Sprengstoff-Spurentest.

Der Sprengstoff-Spurentest funktioniert folgendermaßen: Explosive Substanzen hinterlassen automatisch kleine Partikel. Um diese an der Sendung nachzuweisen, wischt die Luftsicherheitskontrollkraft bei der Kontrolle mit einem speziellen Teststreifen über die verdächtige Sendung.

Der Teststreifen wird nun in einem Gaschromatographen untersucht. Diese lösen die Sprengstoffspuren aus dem Teststreifen heraus. Das Gerät ist in der Lage, selbst kleinste Mengen (1 Pikogramm = 1 Billionstel Gramm) an Sprengstoff zu ermitteln. Auch selbstgebastelte Sprengstoffe mittels handelsüblichen Haushaltswaren, können somit in kürzester Zeit erkannt werden.

Nachdem die Fracht- bzw. Postsendung das Doppelverfahren überstanden hat, und nichts zu beanstanden war, wird diese Fracht- bzw. Postsendung mit einem neuen Status (SHR = Secured High Risk = Gesichert hohes Risiko) versehen. Somit ist erkennbar, dass diese Sendung eine Sendung mit HRCM-Status war und durch das Doppelverfahren kontrolliert wurde.

Sendungen welche nun den SHR-Status tragen, dürfen mit Passagier- sowie Frachtflugzeuge befördert werden.

Der reglementierte Beauftragte ist sowohl für die physische als auch für die dokumentarische Abwicklung der Luftfracht- sowie Luftpostsendungen zuständig. Der reglementierte Beauftragte stellt zudem die Luftfrachtbriefe aus.

  1. Was sind Luftfrachtbriefe?

Luftfrachtbriefe (Air Waybill = AWB genannt) sind im internationalen Luftverkehr, ausgestellte Begleitdokumente einer Luftfrachtsendung. Dabei dient der AWB als Vertragsdokument zwischen einer oder mehrerer Luftverkehrsgesellschaften und dem Versender der Ware. Der AWB ist zudem der Beweis des Beförderungsvertrages und dem Empfang der Luftfracht- sowie Luftpostsendungen.

Im Luftfrachtbrief enthalten sind:

  • eine Versandliste der Güter inklusive Verzeichnis anderer Begleitdokumente (z.B. Ursprungszeugnis der Ware, Handelsrechnung, Ausfuhrgenehmigung usw.) und besondere Anweisung des Absender
  • Frachtrechnung
  • Versicherungsbescheinigung
  • Nachweis zur Erfüllung der zollbehördlichen Verpflichtungen
  • Auslieferungsbestätigung

Der Absender haftet für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Eintragungen im AWB.